Überkompensation: Veränderungen positiv nutzen

Nicht ärgern, sondern anpacken

Wussten Sie, dass es ein Gelassenheitsgebet gibt? Vielleicht haben Sie es schon einmal auf einer Postkarte gelesen, ohne zu wissen, dass diese Worte von dem US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr als Gebet verfasst wurden. Es beginnt mit den folgenden Zeilen: „(Gott), gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Vor allem die ersten drei Zeilen sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, wenn uns widrige Umstände Steine in den Weg legen.

Denn mit Gelassenheit, Mut und Weisheit können wir anstehende Veränderungen, die in der Regel nicht zu umgehen sind, positiv nutzen. Das wird auch als Überkompensation bezeichnet. Statt sich bei einer Herausforderung den Kopf zu zerbrechen, wie wir das Ganze verhindern könnten, können wir ebenso gut überlegen, wie wir das Ganze in einen Vorteil verwandeln. Es ist oft so wie mit einem kleinen spitzen Stein im Schuh: Zuerst versucht man, diesen Stein zu ignorieren. Dann aber wird die Sache unangenehm und man handelt. Dann doch lieber neu denken und die vorhandene Energie positiv nutzen als sich krampfhaft auf das Vermeiden einzustellen.

Ein Beispiel aus der Welt der Steuerberatung: Die Pflicht zur Erstellung einer Verfahrensdokumenation (VFD) für alle Steuerpflichtigen wurde zunächst von nahezu allen Steuerberatern ignoriert. Schließlich stellte sich heraus, dass es der Finanzverwaltung mit dieser Pflicht tatsächlich ernst war. Was tun? Augen zu und durch!

In Kombination mit der Erstellung eines sehr konkreten Risikocontrollings, der Simulation und Vorbereitung auf eine Betriebsprüfung sowie der Dokumentation der IT-Anlage mit Blick auf Sicherung und Sicherheitskonzept bekommt die VFD eine wertvolle Dimension und erweist sich als Prozess durchaus als sinnvoll – obwohl es zunächst wie eine lästige Pflichtübung aussieht. Schlussendlich dient sie im Kontext der beschriebenen Sachverhalte als elementarer Schutz der IT-Festigkeit eines Unternehmens. Die Neuaufnahme großer risikoträchtiger Mandate, an deren Anfang die VFD-Erstellung steht, hat sich inzwischen bewährt. Sich gegen die Veränderung zu stellen, hätte an dieser Stelle wenig bis nichts gebracht. Doch mit Überkompensation wird aus dem anfänglichen Ärger positiver Nutzen.

Quelle: Ines Scholz: Go digital: Neues Denken in der Kanzleiführung. Mit 48 Workhacks den Datenschatz heben

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